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Antirassismus, Solidarität, Stadtteil und Gentrifizierung

Jugendrevolten in Schweden: Solidarität!

Seit Ende Mai kommt es in Schweden zur militanten Revolte hunderter, wenn nicht tausender Jugendlicher. Zwar gab es in Schweden in den letzten Jahren, vor allem in Göteborg und Stockholm, immer wieder zu kleineren „Jugendkrawallen“, doch die derzeitige Rebellion geht weit über das bisherige Ausmaß hinaus. Nicht nur, dass es in der Vergangenheit nicht vorkam, dass Jugendliche so gezielt und organisiert Polizeiwachen, Schulen, politische Institutionen, etc. angriffen, sondern auch die Ausdehnung der Rebellion im Vergleich zu den Bewegungen der letzten Jahre einzigartig. Nicht nur in Stockholm und Göteborg, sondern auch in vielen anderen, kleinen und großen Städten Schwedens, gehen Jugendliche und junge Erwachsene den Weg der Revolte.

Auslöser der Rebellion war, dass die Polizei im Stockholmer Stadtteil Husby einen 69jährigen Mann erschoss, nach offiziellen Statements angeblich in „Selbstverteidigung“. Eine darauf folgende von EinwoherInnen des Stadtteils organisierte Demonstration verlief friedlich, bis sie von der Polizei mit Schlagstöcken aufgelöst wurde und dabei AktivistInnen von der Polizei beschimpft wurden. Das brachte das Fass zum Überlaufen und die Krawalle begannen. Die Triebkraft dieser Jugendrevolte sind die Unzahl schweden_riots 1arbeitsloser, unterdrückter und verelendeter Jugendlicher und junger Erwachsener, die sich von der schwedischen Klassengesellschaft nichts mehr zu erwarten haben. Sie bekommen trotz vieler Mühen keine Arbeit (die Jugendarbeitslosigkeit in Schweden liegt – mit straken Schwankungen aufgrund zahlreicher staatlicher Programme – bei rund 20 Prozent) und wenn sie doch eine bekommen, dann handelt es sich um Billiglohnarbeit, moderne Sklaverei. Die Stadtteile in denen sie zu leben gezwungen sind, sind jene mit der schlechtesten Infrastruktur, die Wohnungen sind schlecht aber dafür teuer. Die in Stadtteilen wie Husby lebenden Menschen, gehören zu den am meisten ausgebeuteten Schichten der schwedischen ArbeiterInnenklasse. Und dennoch ist es so, dass mit Reformforderungen dort nicht viel Gehör gefunden werden wird, denn die Ausgangslage der nun rebellierenden Jugendlichen ist dermaßen mies, ihre wirtschaftliche Situation dermaßen elend, dass die Grundlage auf der Reformforderungen greifen könnten, schlichtweg fehlt. Ähnlich war es auch bei den Jugendrevolten in Großbritannien, wo manche sozialdemokratischen Köpfe in der Logik der Sozialarbeit meinten, dass diese Rebellionen die Auswirkungen rigider Sparprogramme der britischen Regierung gewesen seien. Das ist jedoch unrichtig, denn gerade jene Stadtteile in denen die Jugendrevolten ihren Anfang nahmen, waren die Gebiete, in denen schon lange nichts mehr an „Sozialprogrammen“ vorhanden war, was großen Einsparungen hätte zum Opfer fallen können. Es ist nicht eine „falsche“ oder „mangelhaft“ betriebene Sozialarbeit, die Jugendliche zur Revolte gegen einen vermeintlich ansonsten „ganz gut funktionierenden Kapitalismus“ bringen würde. Doch was ist es dann?

Ursache dieser Jugendrevolten (ob  nun in Frankreich, Großbritannien, Italien oder Schweden) ist, zusätzlich zur wirtschaftlichen Ausbeutung, die soziale und politische Unterdrückung der ArbeiterInnenklasse im Allgemeinen und ihrer unterster Schichten im Besonderen. Egal welche Versprechungen ihnen gemacht werden: am Schluss werden sie doch immer wieder Ziel von Polizeiaggression, sind sie immer wieder die Masse, mit der bürgerliche Arbeitslosenstatistiken gefüllt werden und Hassobjekt bürgerlicher Wahlkampfpropaganda. Die rebellierenden Teile von Schwedens ArbeiterInnenklasse wissen nur zu gut, dass sie, egal wer gerade in der bürgerlichen Regierung sitzt oder parlamentarische Opposition spielt, schlichtweg nichts zu sagen haben und immer der Bodensatz der bürgerlichen Klassengesellschaft bleiben werden. Dieser Umstand lässt sich nicht weg-reformieren oder weg-sozialarbeiten, denn er wird von den grundlegendsten Gesetzen des Kapitalismus hervorgebracht, jenen Gesetzen, nach denen sich die herrschende Klasse laut Karl Marx ihre „eigenen Totengräber schafft“!

Das wissen die schwedischen Kapitalisten ebenso wie ihre Politiker, weshalb sie angesichts der Revolte zu immer neuen Methoden der Unterdrückung greifen. Um die offene Konfrontation nicht noch weiter zu treiben als es mit Tränengas, Schlagstöcken, Videoüberwachung und Handyortung ohnehin schon gemacht wird, wurden faschistische Banden mobilisiert, die in mehreren schwedischen Städten eine Art „Bürgerwehr“ bildeten und die „Drecksarbeit“ für die Polizei übernahmen. Sie verfolgen Jugendliche und stellen sie, sofern sie die Möglichkeit haben. Auch wenn das schwedische Kapital angeblich nichts mit diesen Faschistenbanden zu tun haben will, zeigt dieser Fall deutlich, dass diese beiden Kräfte – Faschisten und Kapital – immer Hand in Hand gehen, sobald das Volk sich gegen Unterdrückung und Ausbeutung wehrt und zu kämpfen beginnt. Die Herrschenden befeuern die Faschisten in dieser Situation auch noch weiter, indemschweden_jugendrevolte sie der Revolte mit einer „Integrationsdebatte“ begegnen. Das ist bloße Demagogie, denn es wird bei solchen Debatten stillschweigend unterstellt, dass zwischen dem Verhalten der Jugendlichen und ihrer (teilweise Generationen zurückliegenden) Herkunft, ein ursächlicher Zusammenhang besteht. „Integrationsdebatten“ lenken, in Schweden wie auch in Österreich, von den realen politischen und sozialen Fragen ab und sind schon seit geraumer Zeit eine wichtige ideologische Waffe des Kapitals gegen ArbeiterInnenklasse und Volksmassen. „Integration“ heißt nämlich für die herrschende Klasse zu aller erst, dass Zuwanderer (und/oder ihre Nachkommen) sich ordentlich vom Kapital ausbeuten lassen sollen. Sie sollen die Ausbeutung geschehen lassen und die Unterdrückung hinnehmen. Sie sollen sich mit dem imperialistischen Staat in dem sie leben und mit seiner Klassengesellschaft identifizieren, dann sind sie „gut integriert“. Solcherlei „Debatten“ sind gegen Zuwanderer als besonders unterdrückte Schicht der ArbeiterInnenklasse gerichtet, und damit gegen die gesamte Klasse. Sie zielen von vorneherein darauf ab, die Klasse in „heimische“, „integrierte“ und „nicht-integrierte“ zu spalten und ihre Möglichkeiten im Klassenkampf somit zu schwächen. Dass aber gerade diese untersten Schichten der ArbeiterInnenklasse eine wesentliche Triebkraft im Klassenkampf sind, das zeigt die Realität, das zeigen die tausenden Jugendlichen, die der Ausbeutung und Unterdrückung nicht nur in Schweden den Kampf ansagen!

Die Jugendrevolte in Schweden ist mehr als nur ein spontaner Ausbruch des Zorns großer Teile der Jugend. Polizeiwachen werden nicht einfach „überfallen“, sondern bewusst von kleinen vermummten Trupps angegriffen. Videoüberwachung, selbst mit Drohnen, bringt der Polizei wenig, da sich die Rebellierenden entsprechend vor Filmaufnahmen schützen. Die rebellierenden Jugendlichen in Schweden „randalieren“ nicht einfach, sondern gehen militant gegen ihren gemeinsamen Feind vor. Was den Rebellinnen und Rebellen jedoch fehlt, ist die politische Führung, die fähig wäre auf noch höherem Niveau zu organisieren und einen revolutionären Weg zu weisen der über die ersten Schritte der Rebellion hinaus geht und die Bewegung am Weg zur Revolution weiterbringt. Doch auch Ansätze für solche Kräfte gibt es in Schweden, wie z.B. die Organisation Rote Aktion, selbst wenn sie in mancher Hinsicht noch schwach sind.

Die Rebellion der Jugendlichen in Schweden ist gerechtfertigt, sie ist ein großer Sturm gegen die herrschenden Verhältnisse, welche in Schweden und weltweit die Mehrheit der Menschen und Unterdrückung und Ausbeutung halten. Schwedens Jugendliche sind damit ein weiteres Glied in einer Serie von großen Jugendrebellionen, welche in den letzten Jahren durch Europa geht. Die Revolte wird zwar auch wieder schwächer werden und abflauen, doch das ändert nichts an der Tatsache, dass immer öfter solche Rebellionen stattfinden, dass sich immer mehr an ihnen beteiligen und dass sie schon lange keine Einzelerscheinungen oder „isolierte Ereignisse“ sind, wie es immer wieder heißt. In Hinblick auf die Situation in Österreich gilt dies auch gerade von der aktuellen schwedischen Jugendrebellion, denn die Situation in Schweden ist in mancher politischer und sozialer Hinsicht der Lage in Österreich sehr ähnlich und es liegt nahe, dass für unsere Situation hier daraus Schlüsse gezogen werden können, die bei den Jugendrebellionen in Frankreich oder Großbritannien nicht in dieser Form möglich gewesen wären. Die Frage die aufgeworfen werden muss, wurde (natürlich unter anderen Vorzeichen) in einem „Leserbrief“ der ultrareaktionären Kronen-Zeitung vom 27.5. gestellt: „Wie lange wird es noch dauern, bis es auch in Österreich soweit ist?“. In der Tat – die Rebellion der Jugend lässt sich von den Herrschenden nicht aufhalten, nicht einmal in Österreich. Die Frage ist also nicht „ob“, sondern nur „wann“! Je nachdem wie gut sich die demokratischen und revolutionären Kräfte der ArbeiterInnen- und Volksbewegung darauf vorbereiten, wird das Ergebnis der Revolten sein. Die Massen aber, werden ihren Weg unweigerlich gehen, wir müssen uns darauf vorbereiten, in einer entsprechenden Situation unsere politische Rolle wahrnehmen zu können.

Solidarität mit der Jugendrebellion in Schweden!

Freiheit für alle inhaftierten Jugendlichen die Teil der Bewegung sind!

Voran mit der Massenbewegung der Jugend!

stockholm-riots

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